Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 10

Freiheit ist das, was jeder verdient und niemandem genommen werden darf, außer er baut haut nen Haufen Scheiße so wie T-bag aus Prison Break. Spaß beiseite ich bin für nichts dankbarer als meine Freiheit. Ich mein das ist das, was uns von Nationen wir Nord-Korea oder auch China oder den Emiraten unterscheidet. Freiheit in allen Punkten des Lebens. Halt auch Presse und Meinungsfreiheit. Warum eigentlich Pressefreiheit ich mein die bringt ja eigentlich nur Leuten wie Olli Welke, Jan Böhmermann und Nico Semsrott etwas. Vielleicht heißt Pressefreiheit auch, dass wir auf social-media Plattformen wie Instagram sagen dürfen, was wir wollen. Z.B. in unserer Schülerzeitung waren wir ja so eine Art Presse. Mit meinem Artikel habe ich ja auch was publiziert und über etwas/jemanden berichtet. In anderen Ländern der Welt darf man sowas halt nicht. Das halte ich für echt nicht fair, da jeder das Recht darauf hat, seine Meinung zu sagen und man sich nicht in allen Lebenslagen von anderen beeinflussen lassen soll. Trotzdem um nochmal auf mein Beispiel zurückzukommen. Er hat wirklich unaussprechliche Dinge getan. Wenn die Regierung ihn so weiter handeln ließe, würde er wahrscheinlich noch mehr Leute verletzen, wenn nicht sogar umbringen. Somit war es die einzige Möglichkeit, dass er ins Gefängnis kommt. In dem Fall steht das Wohl der Allgemeinheit über dem eines einzelnen. Das ist auch dasselbe Prinzip bei Leuten mit psychischen Krankheiten. Wenn z.B. jemand den psychischen Drang dazu verspürt, andere zu verletzen, wenn nicht sogar zu töten, sehe ich keinen Sinn darin, dieser Person noch das Geschenk der Freiheit zu lassen. Vielleicht schätzen es diese ja gar nicht so wie wir. Zum Glück hat jeder in Deutschland seine Freiheit, zum Glück habe ich meine Freiheit.

Ich spüre das kalte Wasser. Ohne es zu merken fahre ich mit meinen Händen über meine Jacke. Nasses, raues Leder. Es riecht noch nach der Boutique, in der es Jochen für mich gekauft hat Als ich die Augen öffne, merke ich, dass alles dunkel ist, mehr noch, alles Dunkel dieser Welt kommt an diesem Ort zusammen. Ich fliege, ich liege, ich falle, ich knalle auf den Boden? Nicht fühle ich unter mir, keine Erde, das ist nicht der Wildbach. Stein, was sollte das hier bloß sein? Im Hintergrund höre ich das leise Plätschern eines Wassers, monoton, eine Maschine; das immer gleiche Schlagen des Wassers auf den Boden. Die Luft reicht nach einer Mischung aus Erde, Stein und Pflanzen aber auch frische Blumen, Farbe und ein Hauch Zimt liegen in der Luft

Doch das war alles nur Einbildung, wie ich später feststellte. Ich höre ein Handy im Hintergrund klingeln. Es ist Peter, der Nachmieter. Nur noch drei Tage. Er legt auf. Vor ihm nur Kartons, mehr nicht. Unter seinen Füßen das Knirschen von Holz, das Gefühl von Teppich aber doch anders. Der Geruch von Feuerholz, künstlich wie immer. Er blickt aus dem Fenster, Häuser, Bäume, Autos. Aus dem Radio ertönt es. Noch ein PSU Feigling. Er geht rüber zum Kamin. Dort liegen immer noch die Schürhakenseines Vaters. Schon seit 30 Jahren. Wie immer nutzt er die löchrigen Socken zum Saubermachen, zum Entfernen des Drecks von der Stange. Dieses Gefühl, etwas so einfach zu reinigen, wie ein Eintrag auf einem Konto an Missetaten, wie eine Deadline, die es nicht zu überschreiten gilt. Er dachte an sein Zuhause, sein neues, sein altes, aber auch die Straße, auf der er monatelang gegen die Vergeltung der Außenwelt ankämpfte. Er las das Schild auf der anderen Seite. Park Avenue. Sein Zuhause.

Andreas

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 9

Der Weg
Dann hast du mich gerufen, aber ich war schon zu weit weg um zu hören was du gesagt
hast. Ich wünsche mir bis heute zu wissen welchen Rat du mir mit auf meinen Weg geben
wolltest.
Vielleicht war es etwas wichtiges, vielleicht war es unwichtig, das weiß ich aber leider
nicht. Ich würde aber zu gern wissen ob es sich lohnen würde an diesen Ort und Zeitpunkt
zurückzukehren, aber diesmal vor dir stehen zu bleiben und mir ganz genau anzuhören was es noch zu sagen gab als ich schon so weit gekommen war. Warum hast du mir nicht davor gesagt was es zu sagen gab? Wenn es nicht wichtig gewesen wäre dann hättest du es mir auch zu einem anderen Zeitpunkt sagen können, das ist es was mich manchmal ein wenig verrückt macht.
Wenn ich heute manchmal verzweifelt bin wünsche ich mir nichts sehnlicher als es zu
wissen denn dieser Rat könnte mich womöglich aus einer schwierigen Situation befreien. Es ist wie ein Joker, ein Rat oder Tipp für mein Leben, nur ein einziger, hinter dessen Gesicht ich niemals schauen kann, denn du bist fort. Viel zu weit weg als dass ich dich fragen könnte was du an diesem Sonntagabend zu mir gesagt hast.
Wahrscheinlich könntest du dich nicht einmal daran erinnern. Manchmal finde ich es
gerade zu lächerlich wie es mir so wichtig sein kann zu wissen was es war.
Aber natürlich lebe ich weiter auch ohne dich und deinen kleinen Rat, eine andere
Wahl habe ich nicht mehr. Manchmal ist das Leben so, es gibt immer eine Lösung für alles,
aber man hat nicht immer die Möglichkeit diese Lösung zu finden.
Vielleicht hast du mir also einfach das Leben mit auf meinen Weg gegeben, das Leben
als ganzes und in meinen Gedanken definiert.
Aylin

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 8

Warum müssen wir eigentlich morgen Physik schreiben. Ich mein das Jahr hat gefühlt 10 tausend andere Schulstunden und ausgerechnet morgen müssen wir beim Heilmann antanzen um bissl was über Kreise zu schreiben

Freiheit ist das, was jeder verdient und niemandem genommen werden darf, außer er baut haut nen Haufen Scheiße so wie T-bag aus Prison Break. Spaß beiseite ich bin für nichts dankbarer als meine Freiheit.

Weißt du noch wie wir im Highspeed Zug nach Peking abends mit Alan, Max, Alec saßen und richtig cooles zeug erzählt haben. Ey China war so ne geile Zeit

Das Foto, dass ich poste zeigt mich vor der chinesischen Mauer. Junge da konnte man echt mal den Chinese-spirit spüren, dahat man mal echt gemerkt, dass man seriously direkt vor der Great-Wall steht. Das Ding kann man aus dem All sehen.

Das letzte als ich rausging waren ein paar Rufe gute Besserung obwohl ich eigentlich nur zum KfO ging. Junge meine Klasse spinnt schon aber das ist auch oft gut so. Zum Glück sind die net so langweilig.

Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen bliblablub. Ja Kirche ist ein wichtiges Thema. Auch wenn ich katholisch bin verstehe ich viele Werte von ihnen nicht wie Anti-homo-Ehe oder das Abtreibungsverbot.

Ich habe voll vergessen, dass ich heute einen Physio-Termin habe und auch um wie viel Uhr. Eigentlich habe ich keine Zeit wegen morgen und müsste straight durchlernen wegen Physik LK.

Gesagt nimm doch chinesisch-Grundkurs wegen Frau Wang. Ich habe nochmal überlegt und eigentlich ist es echt chillig dort und chinesisch also Mandarin wird mal die neue Weltsprache und wenn ich mal…

Wenn ich in den Spiegel blicke sehe ich mein müdes Gesicht. Junge ich freu mich so auf das WE ich habe in den letzten 10 Tagen fünfmal in ner Jugendherberge gepennt das war so gammlig.

Aber auch bissl cool WE in Braunschweig war richtig cool mit der fam.

Andreas

 

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 7

Meine Handgelenke tun weh. So, wie wenn man bei einem Schulausflug Stunde um Stunde mit einem schweren Rucksack herumläuft, es heiß ist und die Träger so richtig schön scheuern. Nur an den Handgelenken und in etwa zehnmal so schlimm. Und es ist nicht heiß, sondern kalt. Schweinekalt. Obwohl es Sommer ist, glaube ich zumindest. Probeweise ballte ich meine Hände zu Fäusten. Irgendwie tat das weh, außerdem habe ich dabei gemerkt, dass meine Finger die Temperatur von Eis angenommen haben. Ihr kennt doch sicher diese Wasserei-Tütchen, diese billigen Bunten, bei den alle entweder Cola- oder Kirschgeschmack wollen? Ich bin sicher, dass meine Finger exakt so wie die blauen (die echt cool sind, aber nicht schmecken) aussehen. So richtig viel kann ich dazu aber leider nicht sagen, denn ich sehe nichts. Nada. Liegt es an meinen Augen? Ich blinzelte und schielte in alle Richtungen, nichts. Langsam bekomme ich Angst. Bisher war ich eher belustig, dass man irgendwo aufwacht und nicht genau weiß, wo man ist kann mal vorkommen, je nach dem was oder wie viel man davor genommen hat. Meistens trottelt man dann die Treppe runter, trifft mit etwas Glück nicht die Eltern des Hauses an und begibt sich dann in Richtung Zuhause, was mal schneller und mal weniger schnell passieren kann. Allerdings konnte ich bisher immer etwas sehen, auch wenn es nur zornige Eltern waren. Verdammt. Ist es einfach nur dunkel oder ist Blindheit eine nette Nebenwirkung von dem Zeig gestern? Mein Herz schlägt schneller und mein Puls steigt. Davor muss er wohl sehr gering gewesen sein, denn auf einmal spüre ich meine Füße wieder. Doch nicht nur meine Beine signalisieren mir, dass sie leben, auch ein Handy klingelt. Es ist nicht meines, unbekannter Klingelton. Aber zumindest sehe ich das Display aufleuchten.

 

Sie klappte den Laptop zu, das Schnappen des klapprigen Teils klang fast schon ärgerlich. Seufzend griff sie nach ihrem Handy. Mindestens genauso klapprig wie der Rechner, aber immerhin aus diesem Jahrzehnt. Und mit einer guten Auswahl an Klingeltönen, größtenteils Hits von 2000 bis 2010. Sie hatte sich für „Tik Tok“ entschieden, es erinnerte sie an einen Ausflug in ein Spaßbad mit ihrer Familie, ihrem kleinen Bruder. Damals, als alles noch gut war, oder zumindest das, was die meisten Leute „gut“ genannt hätten. „Hallo, wie kann ich Ihnen dienen, hier spricht Candy“, säuselte sie. „Mensch, ich will dich nicht buchen, verdammt. Du hast noch drei Tage!“. Sie seufzte wieder. Eigentlich sollte sie das aus der Ruhe bringen, doch irgendwie hatte sie sich daran gewöhnt, Aufgaben zu meistern, egal ob sie es schaffte oder nicht. Genauso hatte sie sich an den roten Plüsch, die drückende Wärme und das stets gedimmte Licht gewöhnt. Oder an den Flokatiteppich, ein schwarzes Modell. Bisher hatte sie nur weiße Flokatiteppiche gekannt, aber in schwarz passte er einfach besser ins Zimmer. Sie hatte eine mehr- oder weniger gesunde Gleichgültigkeit entwickelt.  Alles war in rot und schwarz gehalten, Lichterkette, Decken, Kissen, Schminktisch. Ihr Reich, ihr Arbeitsplatz, ihr Schicksal.

Nur das Terrarium mit den Regenwürmern passte nicht. Lange, fette Prachtexemplare, die schönsten ihrer Art, fand sie. Sie fraßen sich durch die Komposterde, deren erdiger Geruch sogar den der Duftkerzen („Black Cherry“, Yankee-Candle, das Ding hatte ein Vermögen gekostet) verdrängte. In drei Tagen würden die Würmer unmöglich genügend produziert haben! Das war doch absurd, sie brauchten mindestens zwei Wochen bis man sie entsaften konnte, wie er es nannte. Es war grausam, vor allem, wenn diese Würmer monatelang deine einzige Gesellschaft, mal abgesehen von lüsternen Hinterwäldlern, sind. Doch das Zeug, das man gewann, betäubte die Sinne und befreite von Alltag und Verantwortung und von allem, was Leben sonst noch zu bieten hatte. Wie sie am jungen Mann auf der Aufnahme gesehen hatte machte es sofort abhängig. Doch was tat man nicht alles, um wenigstens etwas Sorglosigkeit zu erleben, wenn einem die Kindheit zu früh genommen wurde?

Ellen

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 6

Ich wache auf. Mein letzter Traum im Hinterkopf. Ich hatte von meiner Mutter geträumt, ein sehr außergewöhnlicher Traum. Sie hatte mich im Arm gehalten als wäre ich noch ein Baby. Dann öffnete ich meine Augen. Warte, hatte ich sie wirklich geöffnet oder war ich doch noch gefangen in dem spannenden Traum, in dem  meine Mutter mir nun den Schnuller in den Mund steckte. Ich schrie, ich schrie mir die Seele aus dem Leib, mehr als das. Aber auch das änderte meine Aussicht nicht. Vor mir immer noch schwarz. Bis zu diesem Augenblick, hatte ich gedacht meine größte Angst wären Spinnen. Ich glaube aber ich lag falsch, Dunkelheit ist um einiges schlimmer. Aber war das nun alles nur ein Traum oder war das Ich. Langsam spürte ich wie die Schweißperlen auf meiner Stirn hinunterliefen. Da ich aber wusste, dass ein weiterer Aufschrei nichts bringen würde, fing ich an mich zu sammeln. Das funktionierte so mehr oder weniger. Dann tastete ich mich langsam vor, beziehungsweise suchte  ich erstmal meine Hände, um dann meinen Körper entlangzufahren. Das war wirklich ich, Oliver, 19 Jahre alt und ein kleiner Schisser. Zu aller erst fasste ich mir an den Kopf. Da die erste Überraschung, meine Kappe war weg. Das kalte Gefühl der Schnalle und der leichte Druck der meinen Kopf sonst immer umfasste, fehlte. Dann plötzlich das Vogelzwitschern meines Handys, meine Mutter. Sie hob ab und im nächsten Moment hörte man einen lauten Aufschrei „Was, nur noch drei Tage“. Ihr starrer Blick auf den bunten Balkon, von dem man das brummen der stehenden Autos hören konnte, versprach nichts Gutes. Dennoch schien ihr dieser Anblick nicht weiterzuhelfen. Nach einer langen Redepause legte sie einfach auf. Sie fasste mit ihren zitternden Händen nach ihrem Kaffee, der bei dieser Vibration nicht lange in der Tasse blieb und über ihre frisch lackierten Nägel lief. „Scheiße“. Das beschrieb nicht nur ihre aktuelle Lage ihrer Hand, auch ihre innerliche traf das gut. Sie trabte ihr kleines, schmales Arbeitszimmer hoch und runter, überlegte o sie doch noch einmal anrufen sollte. Sie tat es nicht. Sie lief auf ihren Balkon, machte die Tür auf und ließ sich verzweifelt auf ihren luxuriösen Balkonstuhl fallen. Hektisch griff sie nach ihrer Marlboro-Packung auf dem steinernen Tisch vor ihr. Dabei fiel ihr das Feuerwehrauto auf, welches auf dem unscheinbaren Regal am hintersten Ende des Balkons befand. Geschockt ließ sie die Marlboro-Schachtel fallen und lief zu dem kleinen Regal.  „Das ist für deine erste eigene Wohnung, ich hoffe ich bleibe so in deinem Gedächtnis“, flüsterte sie und langsam liefen ihr die ersten Tränen über ihre pausigen Wangen. „ nur noch drei Tage“. Sie nahm das Feuerwehrauto und schloss es in ihre Arme.

Julika

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 5

Freiheit ist Frieden für die Menschen, er kann tun und lassen was er will. Freiheit ist wie ein Vogel, der aus seinem Käfig fliegt und die Welt erforscht. Freiheit verbinden viele mit einem Leben ohne Regeln, indem all das Tun und Machen keine Konsequenzen hat, dass alles erlaubt ist, man nicht gebunden ist an ein Gesetz. Aber wieso sollte man nur so an Freiheit gelangen, ist es nicht auch möglich frei zu sein mit jemandem der dich liebt, einer der sich um dich kümmert und dir genau deshalb Ratschläge gibt, auch so genannte Regeln. Ich glaube das Freiheit nicht darauf beruht alles machen zu dürfen was man will, frei sein kann man auch mit Regeln und mit Einschränkungen. Ohne Regeln wäre das Leben doch viel zu langweilig, außerdem können wir erst mit Regeln frei von ihnen sein, frei herumreisen uns gleiten lassen und genießen. Regeln haben alle ihren Sinn. Auch wenn wir oft denken, dass sie uns einschränken, unseren Spaß rauben und uns rebellieren lassen, helfen uns Regeln, um unsere Grenzen zu kennen. Regeln haben einen Ursprung, einen Grund zu existiere, wieso also austesten. Freiheit ist auch mit Regeln möglich.

Julika

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 4

Der Ruf des Meeres

Es war einer dieser extrem heißen Sommertage, die man nirgendswo anders als am Strand verbringen konnte. Ein salziger Geschmack erfreute meine Geschmacksknospen in meinem Mund, als wäre es die leckeren Salt & Vinegar Chips von Mr. Pringles. Die Sonne brannte ungnädig auf mich nieder und die Luft fühlte sich trocken an. Da hörte ich plötzlich das Meeresrauschen. Dieses Geräusch löste in mir eine grenzenlose Begierde aus ihm zu folgen. Ich näherte mich langsam der Geräuschkulisse. Es wurde immer lauter und das Verlangen immer größer, dem Ruf des Meeres zu Folgen. Als ich schließlich an der Brandung ankam, spürte ich plötzlich Wasser über meine Füße fließen und ich konnte fühlen wie sich langsam feiner Sand zwischen meinen Zehen ansammmelte. Als ich bald schon knietief im Wasser stand, war das Verlangen sogar so stark, als hätte mein Leben keinen anderen Zweck mehr  als weiter in das Wasser zu gelangen. So stürzte ich mich letztendlich mit dem Gefühl vollkommener Freiheit in das tiefe weite Meer. So müsste es sich wohl anfühlen wenn ein tibetanischer Mönch vollkommen in seiner Meditation versunken ist. Es trat auf einmal eine unbeschreibliche Stille ein. Die mir zunächst Angst bereitete. Ich dachte kurz darüber nach: Es ist doch paradox: Die Menschen sehnen sich nach Stille, aber sobald sie eintritt, erschrecken sie sich und wollen vor ihr flüchten. Da ich aber nicht den gleichen Fehler machen wollte, fing ich einfach an diesen Moment in mir aufgehen zu lassen und zu genießen. Es war das Gefühl von purer Entspannung und ich war einfach nur glücklich. Als plötzlich ein schriller Klingelton, wie der Schrei einer Hyäne lautstark ertönte und mich aus diesem Ort der Vollkommenheit riss. Da klingelt auch bei ihr das Telefon, als sie ihr Gesicht langsam von der Laptop-Tastatur entfernt. Als die Frau sich einen Moment lang über diesen grauenhaften Klingelton aufregte bemerkt sie plötzlich:„Oh Mist, das Telefon, warum muss es gerade jetzt klingeln?“. Sie nimmt ab und nennt ihren Namen:„Viola Violetta am Apparat“. Danach täuscht sie gekonnt Freude vor die Person am Ende der Leitung zu hören und ruft:“ Was ? Nur noch 3 Tage!!!“ Sie hat gerade erfahren, dass sie ihre Arbeit viel früher als geplant beenden muss. Nachdem sie schließlich auflegt beginnt sie weiter an den trostlosen Kalkulationstabellen die sich vor ihrem karibikblauen Bildschirmschoner mit den vielen Meerestieren befinden zu arbeiten. Sie hasste es zwar nicht, in ihrem home office zu arbeiten, aber mögen tut sie es ganz sicher auch nicht. Dennoch verdient sie ganz gut Geld damit, trotzdem spürt sie irgendwie immer einen Ruf zu etwas  bedeutenderem in ihrem Leben. Als sie widerwillig anfängt zu arbeiten riecht es plötzlich stark verkohlt. Was war das ? Es kommt langsam schwarzer Rauch aus ihrer Küche. Viola rennt verzweifelt in die Küche und da sieht sie es. Es ist ihr teuer erworbenes Roastbeef, auf das sie sich schon die ganze Woche gefreut hatte. Dieses ist jetzt aber leider ungenießbar geworden, macht dafür aber seinem Namen alle Ehre. Sie löscht das schon leicht entflammte Stück Fleisch mit dem dreckigen Spülwasser, indem noch einige Pizza Krümel vom Vortag schwimmen. Nachdem sie sich wenigsten als Feuerwehrfrau an diesem Tag erfolgreich gezeigt hat, will sie sich nach einer (leckeren) 5-Minuten-Terrine von Maggi zurück an die Arbeit setzen. Auf dem Weg dorthin läuft sie entlang an einem Ganzkörperspiegel, der in ihrer Wohnung hängt. Was ist das ?! Hat sie schon wieder zugenommen ? Nein, es ist etwas völlig unerklärliches mit ihrem Körper passiert. Er ist rot geworden wie der „Tomatenfrosch“, den sie letztens im Zoo gesehen hat. Es war ein Sonnenbrand. Aber wie ist das möglich, sie war doch den ganzen Tag ausschließlich in ihrer 5-Zimmerwohnung in Berlin, die noch nicht einmal einen Balkon  hat. Um so eine Hautfarbe zu bekommen, hätte man sich mindestens 5 Stunden uneingecremt am Strand in der Sonne aufhalten müssen. Während sie noch immer völlig fassungslos zu ihren Armen hinunter blickt, fällt ihr zugleich auf, dass sie barfuß. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass sie weder träumt noch unter irgendwelchem Einfluss von Medikamenten steht, kommt ihr ein Gedanke. Was wenn der Traum den sie vorhin hatte, tatsächlich wahr geworden ist ? Und vor allem, was ist wenn nun alle Träume Wirklichkeit werden ?!

Tim

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 3

Das Letzte, was ich hörte, bevor ich einschlief, waren die Worte meiner Mutter, die in mein Ohr flüsterte, dass sie mich lieb hat. Sie streichelte mir behutsam über den Kopf und verließ dann mein Zimmer. Naja eher das, was mal mein Zimmer war, bevor eine 16 jährige pubertierende Chaotin darin eingezogen war. Nachdem meine Mutter die Tür leise hinter sich geschlossen hatte, war ich weg.
Was ich geträumt hatte, weiß ich nicht mehr. Als ich aufwachte war es schon hell. Die Sonne schien in mein Zimmer. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, wie spät es war: 8:13 Uhr. Mist. Ich hatte verschlafen. Und das obwohl wir in der 2. Stunde eine Deutscharbeit schreiben… König Ödipus… Dialoganalyse… aber was soll’s. Das Buch hatte ich eh nicht gelesen. Da mach ich mir lieber einen gemütlichen Tag… Aber daraus wird wohl nichts denn im nächsten Moment platzte auch schon meine Mutter ins Zimmer. AUFSTEHEN! WIR HABEN VERSCHLAFEN! schrie sie. Danke Mama… Das hab ich noch nicht mitbekommen… Na dann mal los… Anziehen, Zähne putzen, schnell noch was essen und los.
Ich hasse das Gefühl zu spät in die Klasse zu kommen. Alle schauen einen an. So nach dem Motto „hä, wo kommst du denn jetzt her?“
Man schaut in eine Kolonie von Autos. Alle sitzen da, wie Maschinen… zuhören… aufschreiben… zuhören… aufschreiben… immer das Gleiche… der Alltag eines Schülers.
Ich ging also auf meinen Platz und setzte mich. Der Lehrer machte weiter, als wäre nichts gewesen. Der Unterricht interessierte mich nicht besonders. Ich war noch ganz in Gedanken ans Wochenende… Wir waren zu – drrrrrrr – das war unsere Schulglocke. Das Zeichen dafür, dass jetzt das Chaos ausbrechen kann… Pause.

Adelina

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 2

Und dann hast du dich abgewandt.

Ohne Ausdruck in deinem Gesicht, ohne Emotionen in deinen Augen, ich hab mich weggedreht und bin aufgestanden.

Was soll ich noch hier ohne dich, bei dir?

So viel Zeit und Gut, das sich verflüchtigt, als hätte ein Luftstoß einen Blätterstapel umgeworfen und aus dem offenen Fenster getragen. Niemand schaut uns an oder hinter her, sie wissen, dass gerade eine Ära in sich zusammen gebrochen ist. Möglicherweise erinnert es sie an vergangene Stunden oder Tage, in denen sie das gleiche Gefühl hatten. In denen sie sich gefühlt haben, als hätten sie keinen Plan und kein Ziel mehr. Als wären alle gelebten Momente bedeutungslos geworden.

Als wäre der Luftstoß nicht nur ein Hauch, sondern auch ein Orkan der Windstärke sieben gewesen, der Alles um uns herum dem Erdboden gleichgemacht hat.

Ich hoffe inständig, dass es kein Fehler war, dies aufzugeben. Es fühlt sich nämlich so an, als würden gleich alle Platten dieser Erde einen Meter auseinander gehen. Einen Sprung machen und alles mitreißen.

Ein großes Fragezeichen in leuchtend roter Neonschrift taucht in meinem Kopf auf, schwebt und steht dort. Die Verwirrung ist so schwer und dunkel, das sie das Strahlen des Piktogramms erstickt. Kein Platz für anderes. Warum zum Teufel kommt mir jetzt Herbert Grönemeyer mit „Mensch“ in den Kopf?

Ich weiß es nicht, doch ich laufe immer weiter weg, von dir und von Herbert.

Hanna

 

 

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Aus der Schreibwerkstatt mit Tania Witte – Teil 1

Ich frage mich, was ich hier tue und was die menschliche Existenz zu bedeuten hat. Doch warum frage ich mich das? Ist es Sartre oder Camus – zu viele französische Philosophen – ich muss mehr davon leben. Leben oder nur lesen? Das muss ich entscheiden, denn mir ist die Freiheit gegeben! Doch will ich mich entscheiden? Will ich mich begrenzen?

„Nein“, ruft da eine Stimme aus meinem Kopf. Was, eine Stimme in meinem Kopf?! „Ich bin es – dein philosophisches Gewissen, dein denkerisches Ich“, ruft die Stimme – sie hat einen französischen Akzent. Ich bin verwundert…bin ich etwa schon so weit, dass Sartre mir erscheint oder gar Camus? Was ist mit mir los?, frage ich mich. „Nichts“, sagt die Stimme in meinem Kopf. Doch ich weiß, etwas ist faul…aber was? Wer bist du?, frage ich. „Ich bin es“ sagt die Stimme. „Du musst aufstehen“, ruft sie, „nutze deine Freiheit, habe keine Angst vor ihr. Ich bin es…“

In dem Moment öffne ich meine Augen. Ich liege auf einer Liege und blicke einem Mann ins Gesicht. Irgendwie erinnert er mich an Sigmund Freud – oder doch eher C.G. Jung? Was ist hier los? – beginne ich zu stammeln. „Es ist alles gut – wir haben sie nur hypnotisiert“, antwortet der Mann. Jetzt dämmert es mir…ich bin bei meinem Psychologen – aber warum und wozu habe ich überhaupt einen Psychologen?

Ich stehe auf, verlasse die Praxis und gehe die Straße entlang. Immer wieder höre ich die Stimme: „Nutze deine Freiheit – habe keine Angst vor ihr.“

Weniger lesen – mehr leben, denke ich nur.

Neo

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